Präsent sein: Schreiben zwischen Vergangenheit und Zukunft
Die Vergangenheit ist geschrieben. Die Zukunft noch unberührt.
Der Moment, in dem sich beides berührt – das Jetzt – ist der einzige Ort, an dem du wirklich lebst und atmest.
„Wenn wir uns eine neue Zukunft aufbauen wollen, müssen wir mit der Gegenwart Frieden schliessen. Dazu gehört, wir müssen die Vergangenheit loslassen und damit alle unbewussten Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen.“
– Dr. Joe Dispenza
Laut dem Neurowissenschaftler Dr. Joe Dispenza können wir unser zukünftiges Leben aktiv gestalten, indem wir in der Gegenwart das verkörpern, was wir sein wollen. Unsere Gedanken und Gefühle im Jetzt erschaffen neue Möglichkeiten für morgen.
Das bedeutet: Wir können unsere Zukunft aktiv mitgestalten.
Und dies vom – sweet spot – wie er es nennt. Den süssen, gegenwärtigen Moment.
Nicht umsonst hat das Wort „present“ im Englischen zwei Bedeutungen:
- present = Geschenk / 2. present = gegenwärtig
Denn nur im gegenwärtigen Moment können wir das Geschenk des Lebens empfangen.
Das Bild der Sanduhr: Wo das Leben wirklich geschieht
Stell dir eine Sanduhr vor. Oben liegt die Zukunft – fein, noch ungelebt.
Unten die Vergangenheit – schwer, bereits geschehen.
Und dazwischen, an der engsten Stelle siehst du den gegenwärtigen Moment:
Ein einziges Sandkorn. Es fällt. Es rieselt durch den schmalen Hals.
Ein winziger Moment voller Potenzial.
Dort beginnt alles. Dort findet das Leben statt. Genau jetzt. In diesem Moment.
Diesen Moment kannst du mit deiner Präsenz erfassen, schreiben und dabei heilen.
Chronos und Kairos: Zwei Gesichter der Zeit
In der griechischen Mythologie begegnen uns zwei Götter der Zeit:
- Chronos, der lineare Herrscher der messbaren Zeit: Minuten, Kalender, Lebensläufe.
- Kairos, der Gott des günstigen Augenblicks: flüchtig, tief, transformierend.
Ich muss. Ich mach…
Wenn du funktionierst und planst und deine To-Do-Liste abhakst, regiert Chronos.
Ich darf. Ich bin…
Wenn du atmest, fühlst, präsent bist, lauschst und schreibst, begegnet dir Kairos.
Er steht für jene Momente, in denen du im Jetzt ankommst – und plötzlich spürst:
Etwas Wesentliches geschieht.
Du bist der Mittelpunkt der Zeit
Kürzlich war in in La Chaux-de-Fonds. Eine Installation im Uhrenmuseum zeigt auf berührende Weise, wie eng der Mensch mit der Zeit verbunden ist:
Ich stand auf einem bestimmten Punkt. Da warf mein Körper zwei Schatten. Sie bilden die Zeiger einer Uhr. Nicht die Maschine misst die Zeit – Ich bin das Zentrum und mein Körper schreibt die Zeit in den Raum.
Ein kraftvolles Sinnbild für die Tatsache, dass „Präsent sein“ heisst, Verantwortung für den Moment zu übernehmen.
Präsent sein: schreiben und heilen
Wenn du schreibst – achtsam, ehrlich, gegenwärtig – betrittst du einen inneren Raum, in dem Wahrheit auftaucht und Wunden heilen können.
Schreiben bringt dich ins Jetzt. Nicht in die Vergangenheit deiner Geschichten.
Nicht in die Sorgen der Zukunft. Sondern mitten hinein in das, was gerade in dir geschieht.
Und hier liegt die Kraft:
Was du benennst, kann sich wandeln.
Was du aussprichst, verliert seine Macht.
Was du fühlst, darf fliessen.
Heilung beginnt dort, wo du hinschaust.
Und das kannst du nur im Jetzt.
Wichtige Fragen auf dem Weg zur Präsenz
Wenn du innehalten und präsent sein willst, frag dich:
- Worauf warte ich – und was, wenn ich aufhöre zu warten?
- Wie würde mein zukünftiges Ich heute denken, fühlen, handeln?
- Welche Gedanken halten mich im Gestern?
- Welche Ängste binden mich an ein ungeschriebenes Morgen?
- Was geschieht, wenn ich diesen Moment voll bewohne – mit allem, was ich bin?
- Welche Wahrheit will heute durch mich geschrieben werden?
Diese Fragen öffnen dir Tore. Und jedes Mal, wenn du sie schreibend betrittst, bist du da.
Ganz präsent und kannst das Geschenk des Momentes empfangen.
Die Schreibwerkstatt – Raum für Heilung
In meiner Schreibwerkstatt erschaffen wir gemeinsam diesen Raum für Heilung.
Einen Raum zwischen Chronos und Kairos.
Einen Raum, in dem du dich erfährst – schreibend, fühlend, verbunden.
Wir schreiben nicht, um etwas zu produzieren. Wir schreiben, um zu leben.
Um zu erinnern. Und manchmal: um zu vergeben.
Denn präsent sein heisst, das Jetzt zu bewohnen – mit all seinen Wundern, Wunden, Möglichkeiten.
Präsent sein ist ein heilender Akt
Wenn du präsent bist, geschieht Wandlung. Nicht laut. Nicht spektakulär. Aber tief.
Die Zeit wird weit.
Der Moment wird ehrlich.
Und vielleicht, ganz leise, flüstert dir Kairos zu:
Jetzt ist der Moment da, etwas loszulassen oder eine Gelegenheit beim Schopf zu packen.
Eine heilende Schreibreise in die Zukunft
Schreibmeditation: Ich werde, was ich bin
Dauer: ca. 5–10 Minuten
Ort: Ein ruhiger Platz, Stift und Papier bereit.
Anleitung
Atme ein. Atme aus.
Noch einmal. Tiefer.
Komme im Moment an – genau hier.
Spüre deinen Körper auf dem Stuhl. Deine Hände. Deinen Herzraum.
Jetzt stelle dir vor:
Du gehst ein paar Schritte nach vorn – nicht in der Zeit, sondern in deinem Inneren.
Dort wartet jemand auf dich:
Dein zukünftiges Ich.
Es ist ruhig. Klar. Frei.
Es lebt das, was du ersehnst.
Nicht perfekt, sondern wahrhaftig.
Stell dir vor, du schaust diesem Ich in die Augen.
Es lächelt. Es kennt dich.
Es weiß, welchen Weg du gegangen bist. Und es sagt:
„Ich bin schon da. Du darfst jetzt ankommen.“
Bleib in dieser Verbindung.
Beginne nun zu schreiben – ohne zu denken, nur dem inneren Strom folgend:
- „Mein zukünftiges Ich fühlt sich an wie …“
- „Ich denke heute wie mein zukünftiges Ich, indem ich …“
- „Wenn ich diesen Teil schon jetzt lebe, verändert sich …“
Schreibe frei. Ohne Erwartung. Ohne Zensur.
Und wenn du magst, schliesse mit dem Satz:
„Ich bin bereit, jetzt zu sein, wer ich werden will.“
Atme tief ein und aus. Spüre nach. Und nimm dieses Gefühl mit in deinen Tag.
Ich wünsche dir viel Freude beim Schreiben. Komm gerne in meine nächste Schreibwerkstatt.
Wie immer freue ich mich über deine Fragen und Kommentare.
Poetische Grüsse – Deine Isabelle